Dirk Alvermann

Zwischen den Zeiten. Rhapsodie in Schwarzweiß - SIGNED, MY LAST COPY!


€ 198,00
inkl. MwSt., zzgl. Versand

 

Der 2006 veröffentlichte Softcoverband mit über 200 Schwarz-Weiss-Abbildungen ist Alvermanns Bilanz seines fotografischen Schaffens mit Fotografien aus den 50er, 60er und 70er Jahren.
Hier tauchen erstmals die später in den Bänden 'Streiflichter' und 'Klein-Paris' abgedruckten Bilder, z.B. aus dem Rheinland (Düsseldorf, Köln) auf.
Alvermann selbst verantwortete die Gestaltung, wie auch im folgenden Band 'dacapo'.
Das hellblaue Cover ist sehr schlicht, nur der Name und der Titel 'Zwischen den Zeiten' stehen darauf; auf dem Vorsatz wiederholt sich beides, nun mit einer in Schwarz-Weiss gehaltenen Fotografie eines Sonnenuntergangs am Strand (vermutlich die heimatliche Ostsee bei Schwerin/Rostock). Nach einer weiteren Seite mit seinem Namen und dem Zusatz 'Rhapsodie in Schwarzweiß' beginnt der Band mit einem einleitenden Text und dem ersten Kapitel, 'Morgen' (S.7 - 34).
In diesem Kapitel sind alle bereits genannten Jahre vertreten; es handelt sich zumeist um Bilder von Kindern, manchmal vollseitig, ein anderes Mal sind bis zu 5 Fotos auf einer Seite abgebildet, getrennt durch eine weiße Balkengliederung.
Es folgt das Kapitel 'Mittag' (S. 37 - 78) mit Darstellungen von Menschen im mittleren Alter; das Kapitel 'Abend' (S. 81 - 113) zeigt Menschen im fortgeschrittenen Alter und schließt mit dem ganzen Foto des Vorsatzes ab.
Innerhalb der Kapitel sind die Fotos thematisch geordnet, so die 'Algerien-Bilder oder die Fotos aus Köln/Düsseldorf und dem Karneval oder aus der Politik.
Abschließend folgt ein 4-seitiger, detaillierter Index und eine kurze Biografie.
Insgesamt erinnert der Band mehr an einen Bericht als ein Fotobuch. Dennoch ist es eine künstlerische Arbeit, bei der der Fotograf von der ersten bis zur letzten Seite die Gestaltung übernommen hat.

Über den Fotografen (1931-2013):
Alvermann begann 1956 mit Fotografie.
In der Zeit des Wiederaufbaus der Bundesrepublik und des deutschen Wirtschaftswunders war allerdings für die sozialkritische, antikolonialistische und friedenspolitische Sicht seiner Arbeit in Westdeutschland kaum Platz. Mit Ausnahme einiger linksorientierter Wochenzeitungen, wie die Die Tat, Deutsche Volkszeitung oder Die Andere Zeitung, veröffentlichte er seine Bilder hauptsächlich in der DDR sowie in Frankreich, Algerien, England, Italien und Polen. In kurzer Folge entstanden Fotoreportagen über Spanien (1957–62), Algerien (1958–60), Albanien (1962), Westdeutschland (1962–65), Italien (1964) und England (1965).
Die Arbeit dieser Jahre ist vor allem in den Bildbänden 'Algerien-L’Algerie' (1960) und 'Keine Experimente – Bilder zum Grundgesetz' (1961) dokumentiert. Ein geplanter Bildband über Spanien, 1963 von Edition Leipzig, durfte auf Einspruch der spanischen Exil-KP nicht erscheinen. Neben der Fotografie machte Alvermann auch die Dokumentarfilme 'Algerische Partisanen' (1962) und führte die Kamera bei Peter Nestlers 'Arbeiterclub in Sheffield' (Sendetitel: 'Menschen in Sheffield') ,1965.
Von 1962 bis 1965 arbeitete Alvermann als frei-fester Mitarbeiter der NBI, veröffentlichte aber auch in Quick, Magnum und Das Magazin.

Nach längeren und wiederholten Aufenthalten in Algerien und Spanien übersiedelte Alvermann 1959 nach Westberlin und 1966 schließlich nach Ostberlin (DDR). 1969 erschienen hier seine Fotodokumentation 'Wolfgang Heinz inszeniert Gorkis Feinde' und im gleichen Jahr der erzählende Bildband über die Schauerleute im Rostocker Überseehafen 'Eine Handvoll Glück'.
Im Jahr darauf folgte das Stadtporträt 'Rostock' und 1979 das fast schon legendäre Fotobuch 'Ich liebe Dich' - Alvermanns als vorläufige fotografische Schlussbilanz ausgegebener und wohl neben dem Algerienbuch bekanntester Bildband.
Ein gemeinsam mit dem Warschauer ARD-Korrespondenten Ludwig Zimmerer während vieler Jahre (1962–77) verfolgte Projekt eines Bildbandes über Arbeiten und Leben polnischer Volkskünstler (Holzschnitzer und Maler) wurde nicht realisiert.
Zwischen 1972 und 1976 arbeitete Alvermann als Dokumentarfilmregisseur beim Fernsehen der DDR für das 'Kulturmagazin'. Bei Abwicklung des DDR-Fernsehens während der deutschen Wiedervereinigung wurden nahezu sämtliche dort unter seiner Regie entstandenen Filme (bis heute spurlos) entsorgt.

Bereits seit den 1960er Jahren widmete sich Alvermann mehr und mehr der schriftstellerischen Arbeit (...) 1980 wurde er in den Schriftstellerverband der DDR aufgenommen und als Vertreter junger Autoren in den Bezirksvorstand gewählt. Als dessen Delegierter reiste er im Folgejahr mit Rainer Kerndl zu einem Kongress des palästinensischen Schriftstellerverbandes nach Beirut, der allerdings aufgrund der sich damals dort extrem zuspitzenden militärischen Spannungen nicht stattfand.
Hier entstanden seine letzten geschlossenen fotografischen Arbeiten in palästinensischen Flüchtlingslagern. 1982 schied Alvermann auf eigenen Wunsch aus dem Bezirksvorstand des Schriftstellerverbandes aus, übersiedelte in den (damaligen) Bezirk Schwerin und fand dort Aufnahme in eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG), eine Erfahrung, die er 1999 in der 'Crivitzer Chronik' literarisch verarbeitet hat.

1991 erhielt Alvermann eine Anstellung als Archivar des Stadtarchiv Rehna. Im Jahr darauf gehörte er zu den Gründern der Kulturinitiative Maurine-Radegast e. V., wurde zu deren 1. Vorsitzendem gewählt und gab in ihrem Auftrag mehrere heimatkundliche Publikationen heraus.

2006 und 2008 gestaltete er mit den Bildbänden 'Zwischen den Zeiten – Rhapsodie in Schwarzweiß' (2006) und 'dacapo' (2008) eine Werkschau seiner zwischen 1956 und 1982 entstandenen Arbeiten.
2011 folgten die Fotobücher 'Klein Paris' mit Nachkriegsimpressionen seiner Geburtsstadt Düsseldorf sowie der Faksimile-Reprint und Neuauflage in französischer, englischer und deutscher Sprache des inzwischen legendären Algerienbuchs zum Befreiungskampf der bis 1962 französischen Kolonie.

Alvermanns buchschöpferische Tätigkeit setzte sich 2012 in „Streiflichter 1956–65“ fort, einem Bildband fotografischer Kurzerzählungen über Warschau, Tirana, Neapel, Peñíscola und Sheffield.
Am 3. September 2013 verstarb Dirk Alvermann." (Quelle: wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Dirk_Alvermann_(Fotograf))

Review:
"2006 erschien nach langer Pause wieder ein Buch über Alvermanns Arbeit als Fotograf - der in die drei Kapitel Morgen, Mittag und Abend gegliederte Bildband „Zwischen den Zeiten“ mit 208 Fotos, die zwischen 1956 und 1978 entstanden sind und die die in diesen Jahren liegenden Stationen in Alvermanns Leben illustrieren. Als Reporter stand er Willy Brandt, Kurt Georg Kiesinger und Franz-Josef Strauß gegenüber, er fotografiere Ulrike Meinhof, Wolf Biermann und Wolfgang Neuss, aber auch sehr private Szenen höchster Intimität...
Er war in Spanien, Algerien, Polen, Albanien (dazu das neue Buch 'Streiflichter 1956-65', 2012) und im Düsseldorfer Karneval (vgl. 'Klein Paris', 2011) unterwegs, aber auch in Berlin und im Irgendwo der deutschen Provinz." (Thomas Wiegand, in: 'Dirk Alvermann, Keine Experimente - Fotobücher "neu gelesen", Folge 2', Quelle: http://www.fotokritik.de/artikel_40_mobil.html, Aufruf: 29.12.2016)